Die Süddeutsche Zeitung berichtete über die Dirigentenchallenge. Lesen Sie hier den Artikel von Alexandra Vettori, der am 10. Mai 2019 digital und in Print erschienen ist.


Foto Duell

Innovative Musikpädagogik

Einen ungewöhnlichen Weg, seine Musiker zum Üben zu motivieren, hat der Dirigent des Jugendblasorchesters im Musikverein St. Andreas gewählt. Benedikt Migge hat seine Musiker zu einer Challenge gefordert, einem Wettkampf, und zwar auf Instagram. Von der ersten Probe bis zum Frühjahrskonzert am 27. April im Bürgerhaus, 99 Tage lang, so seine Herausforderung, werde er selbst bei jeder Probe, jedem Auftritt, jeder Übungsstunde daheim ein Bild davon posten. Ebenso sollten es die Musiker tun, und wer am Ende mehr Bilder habe, Dirigent oder Orchester, sei der Sieger.

Die meisten der rund 30 Musiker im Alter zwischen elf und 28 Jahren schlugen ein. Alle, so Migge, konnten nicht mitmachen, „es sind ja auch sehr junge Jugendliche dabei, die noch nicht auf sozialen Netzwerken sind“. Challenges, sagt er, gebe es auf sozialen Plattformen ja viele. Unter Musikern sehr beliebt sei zum Beispiel die Challenge 100-days-of-practice, die zum Ziel habe, 100 Tage lang sein Instrument zu üben. Und dieses Format habe er für seine Dirigenten-Challenge eben abgeändert. Für die jungen Musiker war es eine Riesen-Gaudi, und sie haben geübt wie noch nie. Am Ende trug das Orchester dann auch den Sieg davon, allerdings nicht so deutlich, wie gedacht: Die Challenge endete mit 263 Orchester-Bildern zu 104 Dirigenten-Bildern.

Was Benedikt Migge besonders gefreut hat, das positive Feedback der Aktion ging über das Jugendblasorchester hinaus. Der 25-Jährige schreibt derzeit seine Masterarbeit in Musik und Kulturmanagement an der Münchner Musikhochschule. Auch dort hätten Kommilitonen immer wieder auf Instagram nach der Echinger Challenge geschaut. Und eine Pianistin der Bayerischen Philharmonie, wo Migge als Projektleiter neben den Studium arbeitet, habe sich nach eigenen Angaben dadurch selbst zum Üben motiviert gesehen. „Das ist natürlich schon toll, wenn sich sogar eine Profimusikerin davon angespornt fühlt“, sagt er mit einem Lächeln. Seit Herbst 2014 dirigiert Benedikt Migge das Echinger Jugendblasorchester, für Jugendliche, betont er, „steht der Spaß im Vordergrund, da geht es nicht um Perfektion“. Wenn aber, wie im vorliegenden Fall, „der Spaß dazu führt, dass möglichst viel erreicht wird“, sei das natürlich besonders schön.

Benedikt Migge selbst spielt seit 18 Jahren Trompete, vor kurzem hat er mit dem Cello-Spiel begonnen, dazu singt er seit mehr als 20 Jahren in diversen Chören. Neben seiner Tätigkeit als Jugendblasorchesterdirigent spielt er auch in einer Oktoberfestkapelle mit. Im Moment bereiten sich die Echinger Jungmusiker schon auf das nächste Großereignis vor: Ende Mai geht es für vier Tage zum Deutschen Musikfest nach Osnabrück. Migge freut sich schon, denn dort treffen sich Hunderte von Blaskapellen und verwandelten die ganze Stadt in eine große Bühne. Wer sich die Bilder der Dirigenten-Challenge ansehen möchte, muss bei Instagram nach mveching suchen.

Benedikt Josef Migge
Dirigent Benedikt Migge hat sich mit seinem Jugendblasorchester einen Bilder-Wettkampf geliefert.

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